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08.-13. Juni 2015,
Köln
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06.06.2013

Medienforum NRW in Köln eröffnet mit medienpolitischer Grundsatzrede von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und internationalen Keynotes

>  Ministerpräsidentin Hannelore Kraft spricht zu Spielregeln und Spielräumen der digitalen Gesellschaft
>  Internetguru Clay Shirky stellt die neue aktive Rolle der Mediennutzer heraus
>  Dunja Mijatovic, Beauftragte für die Freiheit der Medien bei der OSZE, warnt vor Einschränkungen der Medienfreiheit
>  Ben McOwen Wilson, YouTube, zu Möglichkeiten für Nutzer, ihre Inhalte unabhängig von Medien selbst zu publizieren

Köln, 06.06.2013. Das 25. Medienforum NRW wurde heute im Kölner Gerling Quartier mit einer medienpolitischen Grundsatzrede der NRW-Ministerpräsidenten Hannelore Kraft und drei internationalen Keynotes eröffnet. Anschließend diskutierten Vertreter aus Medienwirtschaft, Politik und Wissenschaft die Herausforderungen des Medienwandels für ihre Zukunftsstrategien und den Markt und die Gesellschaft in der digitalisierten Medienwelt.

Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW, begrüßte die über 500 Gäste im Namen des Veranstalters und stellte heraus, dass man das Jubiläum zum Anlass genommen habe, das Medienforum NRW umfassend zu reformieren.

In den Mittelpunkt ihrer Eröffnungskeynote stellte die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, die Spielregeln und Spielräume der digitalen Gesellschaft. Zur aktuellen Debatte zum Thema Netzneutralität sagte sie: „Unabhängig von Inhalt, Herkunft oder Ziel müssen Daten grundsätzlich gleich behandelt werden. Auch in Zukunft müssen das freie, offene Internet und der diskriminierungsfreie Zugang zum Netz erhalten bleiben.“ Außerdem betonte sie, das beim Wettbewerbsrecht größere Spielräume geschaffen werden müssten: „Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Zeitungen müssen wir das Pressefusionsrecht so novellieren, dass mehr Kooperationsmöglichkeiten entstehen und Redaktionen gesichert werden können.“

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© Heike Herbertz / Medienforum NRW

Weitere Bilder finden sie in der Facebook-Galerie des Medienforums.

Die Ministerpräsidentin sagte zu, regionalisierte Werbung im Landesmediengesetz abzusichern: „Wer Inhalte lokal und regional anbietet, der muss auch die Chance haben, sich über Werbung zu refinanzieren.“ Weil die bundesweite Werbung überregionaler Anbieter Vielfalt vor Ort gefährdet, wolle die Landesregierung dieser Entwicklung mit einem novellierten Landesmediengesetz einen Riegel vorschieben. Kraft: „Wir wollen dazu beitragen, dass auch künftig beispielsweise Nachrichtensendungen mit lokalem Bezug vor Ort produziert und finanziert werden können.“

Darüber hinaus sprach sich Kraft dafür aus, dass ARD und ZDF gemeinsam ein attraktives Online-Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für ein junges Publikum entwickeln: „Ein Jugendangebot mit dem Schwerpunkt online wird keinen Erfolg haben, wenn die einzelnen Inhalte bereits nach 7 Tagen wieder aus dem Netz genommen werden müssen. Deshalb wird sich NRW weiter dafür einsetzen, die so genannte 7-Tage-Regelung aus dem Rundfunkstaatsvertrag zu streichen. Beim Jugendangebot können wir damit anfangen.“



Die darauffolgende Keynote stellte der Autor und Internettheoretiker Clay Shirky (New York University) unter das Veranstaltungsmotto „Changing Media, Changing Society“, dem „Social Turn“ in der heutigen Medienlandschaft. Die alte Medienwelt, in der Wenige zu Vielen kommunizieren und Medien und Journalisten den Zugang zu Informationen kontrollieren, würde zunehmend abgelöst durch die Möglichkeit der Teilhabe vieler an der Medienproduktion. Jeder mit einem Internetanschluss könne direkt zu seinem Publikum sprechen, ohne die klassischen Medien dazwischenzuschalten, die ihre Gatekeeperfunktion verloren hätten. Als aktuelles Beispiel führt Shirky die Protestbewegung in der Türkei an, deren Mitglieder Nachrichten, Bilder und Videos in Echtzeit über das Netz verbreiten und so die Aufgabe der klassischen Medien übernehmen. Der Journalismus im post-industriellen Zeitalter kehrt die bisherige Reihenfolge der Nachrichtenverbreitung um: Zuerst machen die Nutzer ihr Anliegen im Netz publik, teilen die Informationen, bis in einem weiteren Schritt die klassischen Medien die Nachricht übernehmen. Doch nicht nur politische Kommunikation erfolge über das Internet, vor allem Unterhaltung, Klatsch und Tratsch würde über das Netz publiziert, denn die Menschen müssten herausfinden, wie das Medium funktioniert. Prognosen, wie die Zukunft der Medienlandschaft aussehen wird, seien schwierig, so Shirky. Man könne schlecht von der heutigen Technik auf die zukünftige schließen. Vor zehn Jahren hätte noch niemand gewusst, dass es Facebook, Twitter oder YouTube geben würde. Sein Rat an traditionelle Medieninstitutionen: Die Welt könne nicht mehr in ernsthafte Medienproduzenten und die amateurhafte Konsumenten unterteilt werden. Konsumieren, produzieren, teilen und sich politisch engagieren würden Menschen heute gleichzeitig tun. „Fragen Sie sich nicht, was die Menschen für die Institutionen tun können, sondern fragen Sie sich, was die Institutionen für die Menschen tun können“, appellierte Shirky.



Dunja Mijatovic, Beauftragte für die Freiheit der Medien bei der OSZE, erinnerte in ihrer Keynote daran, dass es auch im 21. Jahrhundert noch viele Staaten auf der Welt gebe, in denen das Internet nicht frei zugänglich sei. Journalisten, Blogger und Medienproduzenten würden hier an der Ausübung ihrer Tätigkeit gehindert und im schlimmsten Fall sogar verhaftet oder getötet. Auch sie führte das aktuelle Beispiel der Proteste in der Türkei an. Zu viele Regierungen auf der Welt dächten darüber nach, die Meinungsfreiheit in den neuen Medien zu unterdrücken und elektronischen Mauern zu errichten. In diesem Zusammenhang appellierte Dunja Mijatovic an die Regierungen der demokratischen Staaten, keine falschen Entscheidungen in der digitalen Ära zu treffen. Es dürfe keine Gesetze geben, die zu starke Restriktionen legitimierten, da diese von nicht-demokratischen Regierungen gegen Journalisten und Blogger verwendet werden könnten.



Ben McOwen Wilson, zuständig für Content Partnerships bei YouTube, erläuterte, dass YouTube und das Internet Inhalteproduzenten ermöglichten, ihre Werke selbst zu publizieren, ihre Marke zu managen und mit den Konsumenten zu interagieren, ohne ihre Inhalte an ein Medium übergeben zu müssen. Talente wie Justin Bieber würden so über YouTube entdeckt. Zwei Neuerungen stellte Ben McOwen Wilson vor: Zum einen die Möglichkeit für Nutzer, Werbung zu überspringen. Das habe für die Advertiser den Vorteil, dass der Anbieter nur für die Werbung bezahlt, die auch wirklich gesehen wird. Zum anderen hat YouTube eine Content ID eingeführt, mit deren Hilfe die Contentanbieter Piraten von Fans unterscheiden können, da nachverfolgt werden kann, ob die Inhalte zu kommerziellen Zwecken verwendet werden.

Weitere Mittschnitte des 25. Medienforum NRW werden in den kommenden Tagen auf dieser Webseite veröffentlicht.