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07.06.2013

Follow me! Politische Kommunikation im Multimedia-Zeitalter

Der Einfluss des Internets und insbesondere der sozialen Netzwerke stand im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion Follow me! Politische Kommunikation im Multimedia-Zeitalter beim 25. Medienforum NRW. Die Expertenrunde kam dabei vor allem zu dem Schluss, dass Beispiele aus dem Ausland nicht ohne weiteres auf die deutsche Politik-Landschaft übertragen werden könnten, sondern dass hier eigene Lösungen erarbeitet werden müssten.

Ben Scott, Visiting Fellow bei der stiftung neue verantwortung in Berlin, hatte in seinem Impulsreferat unter anderem auf die Rolle von Social Media bei den aktuellen Protesten in der Türkei und bei den jüngsten Wahlkämpfen in den USA und in Italien hingewiesen. „Barack Obama gilt als der erste Politiker, der die Bedeutung des Internets richtig erkannt hat“, führte er aus. Der Wahlkampf des Präsidenten im Jahr 2012 sei wesentlich auf Daten aus den sozialen Netzwerken gestützt gewesen. Der Erfolg resultiere unter anderem darauf, dass die Demokraten viele vorherige Nichtwähler aus ihrem Lager so davon überzeugt konnten, wieder ihre Stimme abzugeben,

In der anschließenden Diskussion wies Frank Stauss, geschäftsführender Gesellschafter der Kommunikationsagentur BUTTER und Wahlkampfberater, darauf hin, dass ein ähnliches Vorgehen wie jenes von Obamas Wahlkampf-Team in Deutschland aus datenschutzrechtlichen Gründen schwierig sei. „Wir haben all diese Daten nicht, oder müssten eine Menge Geld dafür ausgeben“, gab er zu bedenken. Letztlich seien auch nicht nur technologische Aspekte ausschlaggebend für eine erfolgreiche Kampagne in den Social Media. „Wichtig ist vor allem, dass Sie einen Kandidaten mit Ausstrahlung haben“, erklärte Stauss.

Auch Jörg Schönenborn, der Chefredakteur des WDR, wies auf entscheidende Unterschiede in der politischen Wahrnehmung hin. „In Deutschland werden Sie ohne den Faktor Authentizität keine Wahlen gewinnen“, erklärte er, „in den USA gewinnen Sie hingegen mit Illusionen.“ Obama sei kein Politiker, dessen Stärken in der Kommunikation lägen. Er habe es aber geschafft, die Wahl für sich zu entscheiden, indem ein völlig anderes Bild von ihm gezeichnet worden sei.

Andrea Römmele, Professorin für Communciations in Politics and Civil Society an der Hertie School of Governance in Berlin, gab zudem zu bedenken, dass der Erfolg Obamas nicht nur auf das Internet und Social Media reduziert werden dürfe. „In seiner Gesamtheit war das ein perfekt orchestrierter Wahlkampf.“ Bemerkenswert sei aus ihrer Sicht allerdings die Bedeutung der Sozialen Netzwerke als Vermittler von Nachrichten. Bereits im Jahr 2010 hätten vier Fünftel ihrer Studierenden angegeben, dass sie auf damals aktuelle Themen über Social Media aufmerksam geworden seien. Diesen Aspekt hatte zuvor auch schon Jörg Schönenborn aufgegriffen: „Es ist die Frage, ob Social Media wirklich selbst Medien sind, oder eher ein Transportweg, auf dem Inhalte der klassischen Medien verbreitet werden.“


Medienforum 2013
© Heike Herbertz / Medienforum NRW

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