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08.-13. Juni 2015,
Köln
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07.06.2013

Kinofilm und Grundversorgung

Stefan Arndt, Geschäftsführer von X Filme Creative Pool, erneuerte beim 25. Medienforum NRW die Forderung von Verbänden aus der Filmwirtschaft, wonach die Öffentlich-Rechtlichen in Zukunft mindestens 3,5 Prozent ihrer Jahresetats in deutsche Kinofilme investieren sollten. Der Gründer und nahm an dem Podium Kinofilm und Grundversorgung teil, das unter anderem die möglichen Auswirkungen eines reduzierten Engagements der Öffentlich-Rechtlichen im Bereich der Kino-Koproduktion erörterte.

Diesen Stein ins Rollen gebracht hatte die Fernsehdirektorin des Bayerischen Rundfunks (BR), Bettina Reitz, mit einem Interview in der Fachzeitschrift Blickpunkt:Film. Auf dem Podium in Köln nahm Reitz noch einmal ausführlich Stellung zu ihren dort getätigten Aussagen. „Von einem schleichenden Rückzug aus der Kino-Koproduktion kann und soll keine Rede sein“, erklärte sie. Allerdings werde es beim BR im Jahr 2014 Einsparungen geben müssen, deren Umfang noch nicht bekannt sei. „Ich fand es wichtig, rechtzeitig auf diese Entwicklung hinzuweisen“, sagte Reitz. Sie betonte, dass sie nur aus der Perspektive ihres Senders sprechen könne und dass keineswegs ARD-übergreifend solche Sparmaßnahmen geplant seien. Auch bei der ARD-Produktionstochter Degeto, die zwischenzeitlich einen Produktionsstopp für neue Projekte verhängt hatte, zeichne sich eine Entspannung ab. Deren Geschäftsführerin Christine Strobl hätte unter anderem einen „sanften Anstieg“ bei der deutschen Kinokoproduktion in Aussicht gestellt, berichtete Reitz.

Bettina Brokemper, geschäftsführende Gesellschafterin der Kölner Produktionsfirma Heimatfilm, kritisierte die Platzierung einheimischer Produktionen im Programm der Öffentlich-Rechtlichen. „Ich wünsche mir schon seit langer Zeit einen Sendeplatz für den deutschen Kinofilm, der nicht um 23 Uhr beginnt“, führte sie aus, „das hat auch etwas mit dem kulturellen Auftrag zu tun.“

Aus juristischer Sicht sei gerade dieser Auftrag aber schwer zu definieren, erklärte Karl-Eberhard Hain, Professor für Öffentliches Recht und Medienrecht an der Universität zu Köln. Der Kulturbereich gehöre zwar in der Tat zum Programmauftrag von ARD und ZDF, „allerdings kann man unter Kultur sehr vieles verstehen.“ Auch die von Stefan Arndt noch einmal erwähnte Forderung von Verbänden der aus der Filmwirtschaft, wonach die Öffentlich-Rechtlichen in Zukunft mindestens 3,5 Prozent ihrer Jahresetats in deutsche Kinofilme investieren sollten, bewertete der Jurist als problematisch. „Der Rundfunkbeitrag wird erhoben, damit die die öffentlich-rechtlichen Sender ihren Programmauftrag erfüllen können“, sagte Hain, „es gibt keinen Förderauftrag.“

Von den Produzenten wurde zudem die Forderung nach mehr Transparenz bei ARD und ZDF erhoben, die auch die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei ihrer Eröffnungsrede zum Medienforum thematisiert hatte. Bettina Brokemper ging auf das von Moderator Ulrich Höcherl (Blickpunkt:Film) genannte Beispiel des WDR-Produzentenberichtes ein, der bislang offenbar nur Sender-intern zugänglich gemacht wird. „Wir möchten wissen, welche Programme von öffentlich-rechtlichen Tochterfirmen hergestellt werden und zu welchen Konditionen“, erklärte die Heimatfilm-Gründerin.

Auch Stefan Arndt nannte ein Beispiel, an dem die Öffentlich-Rechtlichen mehr Transparenz demonstrieren könnten. Es sei prinzipiell erfreulich, wenn der bislang eher seichten Stoffen vorbehaltene „Degeto-Freitag“ im ersten Programm der ARD neu ausgerichtet werden solle, führte der Produzent aus. „Es wäre aber noch schöner, wenn es eine öffentliche Ausschreibung dazu gäbe.“



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© Heike Herbertz / Medienforum NRW

Weitere Bilder der Veranstaltung finden sie in der Facebook-Galerie des Medienforums.