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Köln
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07.06.2013

Lagerfeuer 2.0? Die Zukunft der Audiovisualität

Die parallele Nutzung und Verbindung von sozialen Netzwerken und klassischem Fernsehen wird gerade für die jüngeren Zielgruppen immer attraktiver. Mit den Perspektiven, die sich für den deutschen TV-Markt aus diesen neuen Kommunikationsformen ergeben, beschäftigte sich das Panel „Lagerfeuer 2.0? Die Zukunft der Audiovisualität“ beim 25. Medienforum NRW.

Christiane Ruff, Kölner Filmproduzentin und frühere Sitcom-Spezialistin bei der Sony Pictures Film- und Fernsehproduktion, nannte als ein erfolgreiches Beispiel für das Genre die Reality-Soap „Berlin – Tag & Nacht“ bei RTL II, die über eine Facebook-Unterstützergemeinde von weit mehr als zwei Millionen Fans verfüge.

Diese Masse an Kommunikation über eine Sendung findet Florian Hager, stellvertretender Programmdirektor von Arte, allerdings eher kontraproduktiv. „Wo ist das Soziale, wenn dort in kürzester Zeit über 20.000 Postings sind?“, fragte er auf dem Podium, „wer kann das überhaupt alles lesen?“ Arte bietet mit der Serie „About:Kate“ selbst ein Format, das die Zuschauer interaktiv mitgestalten können. Hager sieht dies als Angebot für jene Zielgruppe, „die sich nicht mehr nur mit dem linearen Anschauen zufrieden gibt“.

Christiane Ruff gab zu bedenken, dass beim Zusammenspiel von TV und Social Media sehr genau über die Zielgruppe der jeweiligen Sendungen nachgedacht werden müsse. Bei Formaten mit einem älteren Publikum sei in dieser Hinsicht oftmals keine große Resonanz zu erwarten. „Dann muss man sich fragen, ob sich der Aufwand lohnt, wenn das entsprechende Publikum gar nicht da ist“, erklärte die Produzentin. Aus Produzenten-Sicht seien zunächst ohnehin eher inhaltliche Aspekte relevant. „Bei den Kinofilm-Drehbüchern, die ich derzeit auf dem Tisch habe, mache ich mir zum Beispiel überhaupt noch keine Gedanken über die Nutzung von sozialen Netzwerken.“

Tom Littlewood, Chefredakteur des VICE Magazine Deutschland, das unter anderem auch Fernseh-Inhalte für das ZDF produziert, gab eine ähnliche Einschätzung: „Wir denken nicht bei jeder Sendung, die wir produzieren, über die Zielgruppe nach.“

Alexander Mazzara, CEO von joiz in Zürich, stellte in der Diskussion das Konzept seines Senders vor, der sich selbst als „Social TV“ bezeichnet. Grundsätzlich mache joiz klassisches TV-Programm, das aber so weit wie möglich auf die Einbindung sozialer Netzwerke setze. „Zu jedem Gast bei uns gibt es eine Community, die wir ansprechen können“, erklärte Mazzara. Die redaktionelle Aufbereitung der Rückmeldungen sei dabei elementar wichtig. „Wir müssen die wichtigsten Fragen beantworten können“, erklärte der joiz-CEO, „ansonsten enttäuschen wir unsere Zuschauer.“

Auch wenn Konzepte wie joiz, für das mittlerweile auch in Deutschland eine Sendelizenz beantragt ist, verstärkt Zuspruch finden, sahen die Diskussions-Teilnehmer noch großes Potenzial für das klassische TV. „Ich glaube, dass wir als junges Medienunternehmen noch viel vom Fernsehen lernen können“, erklärte Littlewood. „Fernsehen ist das sozialste Medium, das es überhaupt gibt“, sagte Florian Hager, „es wird auch noch lange so bleiben, dass Sendungen von mehreren Menschen gemeinsam angeschaut werden.“

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© Heike Herbertz / Medienforum NRW

Weitere Bilder der Veranstaltung finden sie in der Facebook-Galerie des Medienforums.