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09.06.2013

Wege aus der Öffentlichkeitskrise: Europa und die Medien

Crossing Borders: Auf dem Weg zu einer europäischen Öffentlichkeit

Europa benötigt grenzüberschreitende Öffentlichkeiten und Berichterstattung, die europäische Themen in ihrer ganzen Tiefe auch jenseits der Finanz- und Schuldenkrise behandeln, um europäische Identität zu stiften. Darin stimmten Journalisten, Politiker und Wissenschaftler auf dem Podium „Wege aus der Öffentlichkeitskrise: Europa und die Medien“ am Freitag auf dem Medienforum NRW überein und diskutierten gemeinsam unterschiedliche Ansätze, wie dies zu erreichen sei. Moderiert wurde das Podium, das in Kooperation mit der Stiftung Mercator stattfand, von Knut Pries, Korrespondent der Funke Mediengruppe in Brüssel.

„Wir brauchen grenzüberschreitende Öffentlichkeiten, um ein neues Narrativ für Europa zu finden, betonte NRW-Staatssekretär Marc Jan Eumann in seinem Begrüßungsstatment. Rana Islam von der Stiftung Mercator beklagte, dass Medien vor allem nationale Stereotype transportierten. „Wir brauchen mehr Malocher und keine Motzer“, appellierte Islam in seinem Statement an Journalisten hinsichtlich ihrer Haltung bei der Auseinandersetzung mit europäischen Themen.

Georgios Pappas, Deutschlandkorrespondent der griechischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt ERT, sieht die Schuldenkrise als Auslöser für Ressentiments zwischen den Völkern. Allerdings existiere auch ein Defizit in der Berichterstattung: Bis zum Jahr 2000 habe es in Deutschland sieben griechische Korrespondenten, gegeben, 2010 wären es nur noch zwei gewesen. Umgekehrt hätten auch die deutschen Medien in Athen ihre Büros geschlossen, da man angenommen hätte, Griechenland produziere keine Nachrichten mehr. „Wir haben es uns lange Zeit bequem gemacht, da wir dachten, Europa wäre eine Familie“, so Pappas.

Rainer Wieland, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, wies darauf hin, dass Europa den Mechanismen der Medien nur begrenzt zugänglich sei, da in der Berichterstattung in erster Linie nach Verlierern und Gewinnern gesucht werde. Es sei nicht selbstverständlich, dass Journalisten sich in den Bereich der Ursachenforschung begäben. Die Skandalisierung wäre überall in Europa durch die Krise verschärft worden. „Das ist ein gefährlicher Weg“, so Wieland. „Wir wissen zu wenig über Europa.“ In der Journalistenausbildung würden europäische Themen kaum vorkommen. Doch gebe es viele europäische Sachverhalte, die man wunderbar narrativ herunterbrechen könnte.

„Wir erleben das Entstehen einer europäischen Öffentlichkeit, aber mit negativen Themen“, so WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn. Doch das Interesse an Europa wachse. Er kündigte an, dass der WDR vor der Europawahl das ARD-Studio in Brüssel verstärken werde. Auch in der ARD werde es einen „Bericht aus Brüssel“ geben. Er sieht die Rolle der Journalisten nicht darin, für Europa zu sein oder dazu aufzurufen, wählen zu gehen, sondern in einer unabhängigen Berichterstattung. Europa habe allerdings ein „Logikproblem“, das Konstrukt Europa müsse logischer werden, so Schönenborn. Grundsätzlich gab er zu bedenken, dass bestimmte demokratische Prozesse bereits durch die Macht der weltweiten Märkte ausgehebelt würden. „Wir brauchen die Phantasie, uns veränderte Prozesse vorzustellen“, so der WDR-Chefredakteur. Als Programmverantwortlicher wolle er einen Raum für Diskussionen öffnen, auch wenn er wisse, dass es sich hierbei um ein Minderheitenprogramm handele.

Mayte Peters, Gründerin des Vereins Publixphere, sieht die Funktion einer europäischen Öffentlichkeit vor allem darin, das Demokratiedefizit zu überwinden. Publixphere wolle im Internet ein Forum schaffen, um die Ideen der Nutzer aufzugreifen. Dabei setzt sie vor allem auf die junge Generation: „Jünger Europäer neigen dazu, in einem anderen Land zu leben, mehrere Sprachen zu sprechen“, so Mayte Peters. „Alles was man braucht, um eine europäische Öffentlichkeit zu bilden, ist schon da.“ Besonders wichtig seien in diesem Zusammenhang die Teilöffentlichkeiten. Hier gebe es bereits bestimmte Gruppen, die sich transnational austauschten und effektiv politisch organisierten.

Brigitte Alfter vom Journalismfund.eu, einer NGO, die investigativen Journalismus in Europa fördert, stellte das Konzept des Crossborder Reportings vor. Da die Politik immer internationaler würde, sei es notwendig, eine Methode zu entwickeln, mit der Journalisten auch grenzüberschreitende Sachverhalte bearbeiten könnten. Beim Crossborder Reporting würde ein loses Team von Journalisten aus verschiedenen Ländern zusammengestellt, die ein gemeinsames Thema in ihren Regionen recherchieren. Jeder erzähle dann den Teil der Geschichte, der für das jeweilige Land und die Zielgruppe relevant ist. Für Brigitte Alfter ist es wichtig zu betonen, dass kritische Berichterstattung über Europa nicht bedeute, man wäre gegen das europäische Projekt, im Gegenteil, dies sei Teil der demokratischen europäischen Öffentlichkeit, die stark genug sei, Kritik auszuhalten.



Bilder der Veranstaltung finden sie in der Facebook-Galerie des Medienforums.