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09.06.2013

ZDF-Intendant Thomas Bellut und Stern-Redakteur Hans-Martin Tillack diskutieren beim Medienforum NRW über Hypes, Kampagnen, Hysterie in den Medien und die Rolle des Journalismus

Zum Thema „Hypes, Kampagnen, Hysterie. Rolle und Verantwortung des Journalismus“ diskutierten ZDF-Intendant Thomas Bellut und Hans-Martin Tillack, beim Stern verantwortlich für investigative Recherche, am Donnerstag auf dem Medienforum NRW die Frage, wie in Zeiten von Medienhypes und eines gesteigerten und beschleunigten Informationsflusses Journalisten ihrer Verantwortung für Aufklärung und Orientierung gerecht werden können.

In seinem Impulsreferat konstatierte Thomas Bellut, dass sich die Medien – in Print und TV – inzwischen im einem dauerhaften Zustand der Aufgeregtheit, dem „Zeitalter der Erregbarkeit“ angekommen. Journalismus zähle zum wichtigen Kernbestand der Demokratie, und auch die Berichterstattung über Skandale wie den Fall Wulff oder den Fall Guttenberg gehörten natürlich zum Geschäft des Journalismus, allerdings sei die Wucht der Kampagnen, die man zuletzt in diesen und anderen Themen verfolgen konnten, beunruhigend.

„Die Unschuldsvermutung darf nicht hingerichtet werden“, forderte Bellut. Journalisten müssten bereit sein, Fehleinschätzungen zu korrigieren. Allerdings sehe er in der deutschen Medienlandschaft wenig Bereitschaft zur Selbstkritik. Die aber wäre wichtig, denn journalistische Arbeit schaffe beim Publikum Wertvorstellungen und trage insofern eine hohe Verantwortung für die Inhalte ihrer Berichterstattung.

Im wachsenden Wettbewerb der Medien sei das Internet nicht schlechter oder besser als die klassischen Medien, es sei vor allem für die Beschleunigung aber den Informationsfluss verantwortlich. Beispielhaft für die Qualität von Journalismus sieht Bellut die Politikdarstellung in den Medien, aber auch hier sei ein Rückgang substanzieller Berichterstattung festzustellen. Es sei zu fragen, ob die zurückgehende Wahlbeteiligung ihren Grund nicht auch in der Vermittlung von Politik habe. Besonders kritisch sieht Bellut die Berichterstattung zum komplexen Thema der Eurokrise. Das Thema werde journalistisch nicht bis zum Ende verfolgt und eingeordnet.

Hans-Martin Tillack, der für den Stern parallel zur Bild-Zeitung über den Fall Wulff recherchierte, brach eine Lanze für den investigativen Journalismus und sieht Journalisten in einer „Wachhundfunktion“ für die Demokratie. Sie müssten auf Missstände hinweisen, ihm widerstrebe aber, auf jemanden einzutreten, der bereits am Boden liege, so Tillack. Andererseits wären Journalisten oft zu unkritisch und zu freundlich.

Zur Frage der starken Personalisierung und der Verantwortung der Journalisten meinte Tillack, die Darstellung von Themen wie in der Wulff-Berichterstattung müsse jeden Tag neu abgewogen werden. Die zunehmende Personalisierung der Berichterstattung könne man aber nicht allein den Medien vorwerfen, wenn es in den politischen Positionen so wenig Polarisierung und damit Stoff für eine interessante Berichterstattung gebe.



Bilder der Veranstaltung finden sie in der Facebook-Galerie des Medienforums.