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09.06.2013

Medienforum NRW diskutiert die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Welche Perspektiven ergeben sich für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Spannungsfeld des technologischen Wandels und der veränderten Nutzungsgewohnheiten der Zuschauer? Diese Frage diskutierten auf dem Medienforum NRW am Freitag, den 07. Juni, Journalisten und Produzenten auf dem Podium „What‘s next? Transparenz, Innovation und die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen“, das in Kooperation mit Deutschlandradio und carta.info stattfand und von der Medienjournalistin Claudia Tieschky, Süddeutsche Zeitung, moderiert wurde. Einigkeit bestand bei allen Panelteilnehmern darüber, dass den öffentlich-rechtlichen Medien als Kulturgut auch in der digitalen Welt eine wichtige Rolle zukommt, zu deren Ausgestaltung unterschiedlich Ansätze diskutiert wurden.

In seinem Impulsreferat betonte Roger de Weck, Generaldirektor des Schweizer öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR, insbesondere die Chancen, die sich durch die Konvergenz der Medien für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk eröffnen. In der Welt des Broadcasting bewege sich aktuell Vieles, Medienmacher suchten nach neuen Formen, die in der Verbindung von Internet und Rundfunk funktionieren. Man erlebe eine „weltgeschichtliche Premiere“ in der Bild, Ton und das geschriebene Wort verbunden werden können. Audiovisuelle Produktionen ausschließlich für das Web sollten dabei auch von den Öffentlich-Rechtlichen hergestellt werden können, da sie hier spezielle Zielgruppen viel genauer adressieren könnten. Die Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen sieht Roger de Weck in ihrer Leuchtturmfunktion. Je fragmentierter der Markt, umso größer wichtiger seien Leuchttürmen, die Orientierung bieten können.

In der anschließenden Podiumsdiskussion betonte der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor, dass die ARD in einer föderalen Struktur vielfältige Aufgaben zu erfüllen habe. Sie sei eine „Kooperations- und Verwertungsmaschine“ mit zahlreichen für die Gesellschaft relevanten Aktivitäten. So gebe es Hörfunksender, Orchester, Webangebote und digitale Programme. „Die Privatsender gründen fast täglich neue Kanäle, ich finde es wichtig, dass wir da Schritt halten“, so Marmor. Allerdings sei die Zeit der Expansion vorbei, da die Gebühren nicht erhöht würden. Im Bereich der Hauptprogramme müsse man daran arbeiten, diese noch attraktiver und relevanter zu gestalten und sich dabei auch der Diskussion um Sendeplätze für bestimmte Formate stellen. Großes Entwicklungspotenzial sieht er dagegen im Internet. Zur Frage der Transparenz der ARD wies Marmor darauf hin, dass die Rundfunkräte, die die Bürger repräsentieren, umfassend informiert würden. „Da sind wir deutlich transparenter geworden.“ Außerdem gebe es alle zwei Jahre einen Bericht an die Landtage. Erstmalig seien auch Unterlagen ins Netz gestellt worden, die allerdings noch besser aufbereitet werden müssten. „Wir haben nichts zu verbergen, außer es ist vertraglich vereinbart“, so Marmor.

Eine kritische Position nahm der Journalist und Blogger Lorenz Matzat gegenüber dem öffentlich-rechtlichen System ein, wobei er betonte, dass es nicht darum gehe, die Öffentlich-Rechtlichen grundsätzlich in Frage zu stellen. Die ARD bleibe jedoch weit hinter ihrem Potenzial zurück und sei mit ihrer Vielzahl an Töchtern ein „bürokratisches Monster“ geworden. Zudem verstehe er nicht, warum es zwei Mediatheken gebe, eine für Das Erste und eine für die ARD insgesamt, in der die Programme des Ersten noch einmal vorhanden sind. „Ich bin als Zuschauer enttäuscht“, gestand Matzat und forderte mehr Transparenz vor allem hinsichtlich der finanziellen Ausgaben. Zudem wünsche er sich bei Programmentscheidungen, wie zum Beispiel dem Kauf der Bundesligarechte, eine Beteiligung der Zuschauer, die die Möglichkeit haben sollten, ein Votum abzugeben, das bindend ist.

Birgit Wentzien, Chefredakteurin des Deutschlandfunks, regte an, dass die Öffentlich-Rechtlichen ihre Arbeit mehr erklären sollten. Die Menschen müssten verstehen, warum sie jeden Monat 17,98 Euro Haushaltsabgabe zahlen. Außerdem sieht sie die Öffentlich-Rechtlichen nach wie vor in der Pflicht, ihren Grundversorgungsauftrag, der auch Information und Bildung einschließt, zu erfüllen. Denn es gebe Gegenden in Deutschland, wo außer Anzeigenblättern keine Zeitungen mehr existierten, dort müsse der Rundfunk Angebote schaffen. In der Verlängerung der klassischen Rundfunkangebote ins Internet sieht sie großes Potenzial, das ausgebaut werden müsse. „Manche Sendung des Deutschlandfunks werde häufiger im Netz abgerufen als auf dem Sender gehört. Birgit Wentzien plädierte dafür, in den Inhalten und der journalistischen Arbeit „klassisch“ zu bleiben, aber neue Verbreitungswege zu suchen. Deutschlandfunk, Deutschlandradio und Deutschlandradio Wissen wollen ein „Labor“ für Onlineangebote sein. „Wir werden einiges ausprobieren, auch mit dem Risiko, zu scheitern“, so Wentzien.

Tim Renner, Autor und Musikproduzent, machte sich für eine größere thematische Vielfalt und den Mut zum Experiment im Hauptprogramm der ARD stark. Viele Angebote würden in die Nebenprogramme geschoben, so zum Beispiel Jugendsendungen, Kultur und Politik. Das Erste müsse ein Schaufenster sein, in dem der Zuschauer auch auf Dinge stoßen kann, die er sonst nicht entdeckt hätte. Er sieht das Fernsehen als „gemeinsamen Marktplatz“, darin bestünde der eigentliche Kernauftrag der Öffentlich-Rechtlichen, so Renner.

Bilder der Veranstaltung finden sie in der Facebook-Galerie des Medienforums.