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08.-13. Juni 2015,
Köln
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09.06.2013

Shaping the Things to Come: Best Practises

Unter dem Titel „Shaping the things to come“ diskutierten Programmmacher, Formatverantwortliche und Produzenten auf dem Medienforum NRW am Freitag, dem 7. Juni, die Herausforderungen und Zukunftsstrategien der Contentbranche. In dem dreigeteilten Themenstrang wurden jeweils für die Genre „Fiction/Serie“, „Entertainment“ und „New Content“ neue Trends analysiert, best practise Beispiele vorgestellt und daraus abgeleitet Konsequenzen und Chancen für die Inhalteproduktion und ihren Vertrieb diskutiert.

 

Fiction / Serie

Den Auftakt bildete das Genre Fiction/Serie. Ein mit herausragenden Contentspezialisten besetztes Podium diskutierte insbesondere die internationalen Erfolgschancen von aufwendig produzierten TV-Serien und Fernsehfilmen. Dabei wurde unter Moderation von dem Medienjournalisten Torsten Zarges, kress, erörtert, welche Chancen dieses Genre auch für Produzenten und Filmemacher bieten kann, die sich bislang auf Kinofilme fokussiert haben.

Stefan Arndt, Gründer und Geschäftsführer von X Filme Creative Pool, stellte in Aussicht, dass er zukünftig auch verstärkt auf serielle Formate setzen werde, „weil wir es müssen, und weil wir es wollen“. Der 90- bis 120-minütige Kinofilm müsse neu erfunden werden. In den USA mache die Kinobranche derzeit vor, wie für das Fernsehen neue Formen des Erzählens entwickelt werden können. „Der Zuschauer will durchaus herausgefordert werden“, befand Stefan Arndt, „die Geschichten dürfen auch komplizierter werden.“ Auch der deutsche TV-Markt könne mit solchen Inhalten zum internationalen Erfolg kommen. „ Gerade Serien aus den kleinen skandinavischen Märkten hätten zuletzt vorgemacht, wie solche Formate auch weltweit erfolgreich sein könnten.

Diesen aktuellen Trend bestätigte Marcus Ammon, Deputy Senior Vice President Programming von Sky Deutschland, der gerade von den LA Screenings zurückgekehrt war, am Beispiel der Entwicklung in den USA. „Der Trend geht eindeutig in Richtung horizontales Erzählen“, berichtete er. Serien wie „Homeland“ oder „Game of Thrones“ seien Vorbilder für Erzählweisen, die inhaltlich übergreifend konzipiert seien, und ihr Sinn nur als komplette Staffel zu erschließen sei. „Das kommt uns als Pay-TV-Anbieter durchaus entgegen“, kommentierte der Sky-Programmchef, „für Free-TV-Sender ist das etwas schwieriger zu programmieren.“

Auch Jan Mojto, Geschaftsführer Beta Film, konstatierte diesen aktuellen Formattrend und stellte den ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“, für den seine Beta Film den Weltvertrieb übernommen hat, als aktuelles Erfolgs-Beispiel aus Deutschland heraus. Gerade sei die Weltkriegs-Saga in Schweden mit einem Marktanteil von über 26 Prozent im TV angelaufen. Auch die britische BBC hätte großes Interesse bekundet. „Jeder, der sich im Vertrieb von audiovisuellen Programmen engagiert, wird in der Zukunft Inhalte brauchen, die besonders und exklusiv sind“, erklärte Mojto.

Am Beispiel der u.a. von ihm produzierten historische Serie „Borgia“ zeigte er auf, wie auch neue Auswertungs-Plattformen zur Finanzierung aufwendiger Projekte genutzt werden können. Hier hatte er als US-Partner den Streamingdienst Netflix gewinnen können.

Netflix hatte zuletzt als Auftraggeber der Politthriller-Serie „House of Cards“ für Aufsehen gesorgt, mit der das Unternehmen in Konkurrenz zu etablierten Pay-TV-Sendern wie HBO und Showtime getreten war. Bemerkenswert dabei war die Tatsache, dass alle 13 Episoden der ersten Staffel auf einmal ins Netz gestellt wurden.

Befragt nach dem Erfolgrezept für diese und andere internationale Serienproduktionen hob Mojto hob die künstlerische Freiheit hervor, die man den Produzenten und Machern lasse Im Falle von „House of Cards“ habeNetflix gesagt: „Hier habt ihr 100 Mio. Dollar, macht etwas daraus“, berichtete er schmunzelnd, „Hat man so etwas schon einmal von einem deutschen Sender gehört?“

Da Netflix zum Zeitpunkt des Starts noch nicht in Deutschland präsent war, konnte Marcus Ammon „House of Cards“ in Deutschland für Sky lizenzieren. Auf die mögliche Konkurrenz durch den Streaming-Anbieter sei der Pay-TV-Sender aber auch hierzulande vorbereitet, erklärte der Sky-Programmchef: „Das Rezept, das uns in diesem Wettbewerb bestehen lässt, liegt in der Vielfalt.“



 

Entertainment

Neue Formen der Unterhaltung mit Bewegtbildern und ihre Auswirkung auf das herkömmliche Fernsehen standen im Mittelpunkt des zweiten und dritten Teils des Themenstrangs, der mit internationalen Beispielen und der Vorstellung der Arbeit des UFA Labs spannende Einblicke in neue Trends die Formatentwicklung bot.

Für den Bereich „Entertainment“ berichteten zwei Medien-Unternehmer, moderiert von dem Autoren und Formatentwickler Karsten Dusse, aus Großbritannien über ihre aktuellen Erfahrungen.

„Früher waren die Fernsehsender wichtiger, befand Christoph Fey, geschäftsführender Gesellschafter der Entertainment Master Class in Berlin, die Mitveranstalter des Podiums war, „heute stehen die Programme an und für sich im Vordergrund.“ Eine Entwicklung, die Alison Rayson, CEO von Raydar Media, bestätigte. Rayson, die in der Vergangenheit unter anderem den Aufbau der Marke „Popstars“ verantwortete, rief die Produzenten dazu auf, ihre neuen TV-Formate multimedial vorzubereiten. Werbung, eine Radioshow oder eine Internet-Show könnten genutzt werden, um bereits im Vorfeld der Ausstrahlung für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Charlie Hanson, CEO von Tantrum Films, der unter anderem Formate mit dem Comedian Ricky Gervais entwickelt und produziert, betonte die Möglichkeiten, die die sozialen Netzwerke und sonstige Dienste im Internet böten. So sei der Charakter David Brent, den Gervais in der BBC-Serie „The Office“ dargestellt hatte, mit einem eigenen Kanal auf YouTube wiederbelebt worden. Zur neuen TV-Serie mit Gervais, „Derek“, die auf Channel 4 ausgestrahlt wird, habe es ein intensives Feedback auf Twitter gegeben. „Damit konnten wir sofort abschätzen, was den Zuschauern an der Show gefällt“, sagte Hanson. „Bei ,The Office‘ hat es damals zwei Staffeln und eine Wiederholung gebraucht, ehe sich abzeichnete, dass die Serie ein Erfolg werden würde.“

 

New Content

Wie die Vernetzung von klassischen und neuen Medien noch weiter vorangetrieben werden kann und welche Inhalte in Zukunft relevant werden, war das Thema beim anschließenden Podium unter dem Oberbegriff „New Content“. Jens-Uwe Bornemann, Leiter des Ende 2012 eröffneten Ufa Lab in Köln, stellte sein Team vor und gab einen kurzen Einblick in die Arbeit des Kreativlabors. „Wir waren noch nie so flexibel“, berichtete Bornemann. „wir werten regelmäßig aus, was funktioniert und welche Rückmeldungen es gibt und lassen diese Daten sofort in unsere Produktion einfließen.“ Es müsse aber auch viel ausprobiert werden. „Wir können nur durch viel Experimentieren herausfinden, was auf welcher Plattform am besten funktioniert“, erläuterte der Ufa-Lab-Leiter. „Die Plattform ist nicht das Entscheidende, auf Inhalte kommt es an.“

Markus Hündgen, Geschäftsführer der European Web Video Academy (EWVA), die unter anderem den Deutschen Webvideopreis vergibt, berichtete anschließend über besonders erfolgreiche Videoformate im Netz. Dabei hob er vor allem die sogenannten „Let’s play“-Videos hervor. Diese Kurzfilme, bei denen sich Gamer in Aktion filmen und dies kommentieren, werden vor allem über YouTube verbreitet. Die bekanntesten Anbieter solcher Videos hätten Millionen von Abonnenten für ihre Kanäle. „Das sind gigantische Zahlen, die sich noch vervielfachen werden“, erklärte Hündgen. Grundsätzlich rief Hündgen Inhalte-Anbieter dazu auf, unabhängig von den Verbreitungswegen zu denken. „Es geht am Ende des Tages um Bewegtbilder“, sagte der EWVA-Geschäftsführer und ergänzte wie Bornemann, „wo sie stattfinden, ist eigentlich egal.“

Bilder der Veranstaltung finden sie in der Facebook-Galerie des Medienforums.