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09.06.2013

Folgen, vernetzen, teilen: The Future of Identity

Welche Auswirkungen haben die permanente Vernetzung und die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung auf unsere Privatsphäre, Identität und soziale Beziehungen? Dieser Frage ging das Podium „Folgen, vernetzen, teilen: The Future of Identity“ am Donnerstag, dem 6. Juni, auf dem Medienforum NRW nach, und kam dabei aus verschiedenen Perspektiven zu sehr unterschiedlichen Bewertungen des gleichen Phänomens.

Robert Pfaller, Professor an der Universität für angewandte Kunst in Wien, näherte sich dem Thema aus philosophischer und sozialpsychologischer Perspektive. Ausgangspunkt seiner kritischen Analyse war die Überlegung von Richard Sennett, dass nicht die Privatsphäre verloren gehe, wenn das Private öffentlich werde, sondern die Existenz als öffentliche Person, wie dieser bereits 1977 in „The Fall of Public Men“ prophezeite. Das bedeute, dass Menschen in der vernetzten Gesellschaft das Recht verlören, ihre privaten Informationen zurückzuhalten. Die Konsequenz: Die Unterscheidung zwischen privater und öffentlicher Rolle wird aufgehoben und die ausschließlich öffentliche Identität gibt es nicht mehr. Das habe Auswirkungen auf uns selbst und auf unserer Rolle in der Gesellschaft. „Wenn wir ganz wir selbst sind, sind wir all unseren Pathologien ausgeliefert“, so Pfaller. Der Philosoph nimmt eine kritisch-pessimistische Haltung gegenüber der digitalen Gesellschaft ein.

Den Zustand der permanenten Vernetzung und Erreichbarkeit, den viele als belastend empfinden, analysiert er als psychisches Phänomen. Grund für die Hyperkonnektivität sei die Angst, etwas zu verpassen, eine Einstellung, die vor allem Kinder an den Tag legten. Doch sieht er die Ursache nicht allein in den Medien und neuen technologischen Entwicklungen, sondern auch in der Politik. Eine „post-moderne Volkspädagogik“, die die Menschen wie Kinder behandele und sie erziehen wolle, beispielsweise mit offensiven Nichtraucherkampagnen, nehme ihnen die Würde und sei auch mitverantwortlich für die zunehmende Hyperkonnektivität, so seine These.

Für Christian Heller, Autor des Buches „Post-Privacy. Prima leben ohne Privatsphäre“, stellt es dagegen kein Problem dar, private Informationen öffentlich zu teilen. Auf seiner Website vermerkt er akribisch Daten aus seinem Leben, vom Tagesablauf, über den eigenen Kontostand bis hin zu Inhalt und Ordnung der Buchregale. Seine Internetseite werde zur „Ablagefläche für Gedanken“. Er wolle einfach nur sein Leben abbilden, in Datenbanken und in Textform, vielleicht interessiere das ja jemanden, so Heller. Dabei sieht er das Private durchaus politisch. Das Auslaufen der Privatsphäre sei ein technisches Phänomen, es gebe immer mehr Verarbeitungsmaschinen und es werde immer schwieriger, einen Bereich zu finden, der sich diesem Wissensapparat entziehe. Bestimmte Vorstellungen von Identität werden dadurch angegriffen, Verhalten werde vorhersagbarer. Robert Pfaller ordnete Hellers konsequente Offenlegung alles Privaten vor allem als eine Form der Kunst ein, eine „eigenartige Überaffirmation einer Gegenwartsentwicklung“, die auch eine Kritik in sich berge.

Auf eine ganz andere Weise setzte sich Janna Nandzik (Ulmen Television) mit dem Thema Hyperkonnektivität und Identität auseinander. Als Regisseurin und Drehbuchautorin der interaktiven crossmedialen Fernsehserie „About:Kate“, die sie für arte produziert, will sie den Zustand junger Menschen in der digitalen Welt untersuchen. Ihre Titelheldin ist eine junge Frau um die Dreißig, die sich selbst in eine psychiatrische Klinik einliefert, aber mit Laptop und Smartphone. „About:Kate“ sei ein „metamäßig angelegtes Projekt“, so Janna Nandzik und wolle herausfinden, wie es mit unserer Identität im Internet stehe. Gerade Facebook werde zur Identitätskonstruktion genutzt. Hier stellten sich die Fragen: Was für eine Haltung habe ich, wer will ich digital eigentlich sein, wie dekoriere ich den digitalen Raum? Dabei führe Facebook auch zu einer gewissen Hysterisierung, denn wir sehen „zu viel von den anderen Leuten“, konstatiert Janna Nandzik.

Bilder der Veranstaltung finden sie in der Facebook-Galerie des Medienforums.