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08.-13. Juni 2015,
Köln
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20.05.2014

Breitband, Fernsehen, Online. Geschäftsmodelle für die vernetzte Medienwelt


Welche Geschäftsmodelle für Breitband-, Fernseh- und Onlineunternehmen in Zeiten der Medienkonvergenz erfolgversprechend sind und welche Anforderungen an Infrastrukturunternehmen und Contentanbieter sich aus der Diversifizierung von Verbreitungswegen und Angeboten ergeben – das waren die zentralen Fragestellungen des ANGA COM-Podiums im Rahmen der gemeinsamen Eröffnungsveranstaltung mit dem Medienforum NRW 2014. Die immer weiter fortschreitende Konvergenz der Netze, sei es Mobilfunk, Festnetz oder Internet, war genauso ein Thema wie der diskriminierungsfreie Zugang und die Netzneutralität und die Rolle der Medienpolitik in einer konvergenten Medienwelt.

Michael T. Fries, President und Chief Executive Officer, Liberty Global, sah die Chancen für Infrastrukturanbieter angesichts des vielfältigen und auf verschiedenen Plattformen verfügbaren Contents darin, die Auffindbarkeit sicherzustellen sowie Such- und Empfehlungsfunktionen anzubieten. Das sei vor allem eine technische Herausforderung, die durch Investitionen in die Infrastruktur zu lösen sei. Liberty habe, gerade mit Horizon, eine ganze Reihe an Angeboten entwickelt, um dem Nutzer handhabbare und bezahlbare Lösungen anzubieten. Zudem habe das Unternehmen eine Produktionsfirma gekauft, um Wertschöpfung aus der vertikalen Integration zu generieren. Liberty müsse Zugang zu jedem Content haben, wie in einem Supermarkt. Zur Frage der Netzneutralität sagte Michael T. Fries, Infrastrukturanbieter hätten kein Interesse daran, die Konsumenten von Inhalten fernzuhalten.

Michael Hagspihl, Geschäftsführer Marketing Telekom Deutschland, fügte hinzu, dass ein diskriminierungsfreier Zugang und Volumentarife zwei verschiedene Dinge seien. Die Telekom stehe für Diskriminierungsfreiheit. Managed Services seien aber ein Modell, qualitätsgesicherte Übertragung der Daten zu gewährleisten. Hagspihl betonte, dass die Telekom eine integrierte Netzstrategie verfolge und 23 Milliarden Euro in den Mobilfunk und ins Festnetz investiert habe. Wichtig seien Bedingungen, die es ermöglichen, die Investitionen zu refinanzieren. Insbesondere in ländlichen Gebieten solle der Breitbandausbau vorangehen. Bis 2016 sei geplant, 50 Prozent des ländlichen Raumes mit schnellem Internet versorgt sein, bis 2018 strebt die Telekom 80 Prozent an.

Dr. Manuel Cubero, Vorstandsvorsitzender von Kabel Deutschland, sicherte zu, dass Internetcontentanbieter auf jeden Fall in den Netzen der KDG übertragen werden. Die Umsätze im Fernsehbereich würden wachsen, der Wachstumsmotor sei aber mit 15 – 20 Prozent dass Internet. Hier sei ein fairer Interessensausgleich notwendig. Er betonte zudem, dass technische Innovationen vor allem aus den USA kämen und appellierte an die Industrie und die Medienpolitik: „Wir dürfen in Europa Innovationen nicht verpassen und uns nicht weigern, Neuerungen aus den USA einzuführen.“

Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von ASTRA Deutschland, sieht das Pay-TV auf dem Weg zum Massenphänomen. Künftig werde man für Inhalte bezahlen müssen. Doch hält er das OTT-Geschäftsmodell nicht für attraktiv. Eine Content-Flatrate müsse günstig sei, es fielen Kosten für Technik, Marketing und die Contentanbieter an, hier sei der Kostendruck sehr hoch, ebenso wie der Druck auf die Contentanbieter. Die Contentindustrie solle nicht dieselben Fehler machen wie die Musikindustrie. Angesichts der hohen Datenrate, die diese Angebote benötigten, seien die Investitionen in den Ausbau der Netze richtig, aber man solle OTT-Dienste nicht überbewerten, sie würden kein Massenphänomen werden. Ronny Verhelst, CEO & Vorsitzender der Geschäftsführung, Tele Columbus, sieht eine Evolution der Medienwelt. Er betonte die Notwendigkeit für die Medienindustrie, sich an die veränderten Angebots- und Nutzungsbedingungen anzupassen. Mittlerweile würde ein Großteil der Inhalte online verfügbar sein. Dem müsse man auch als Infrastrukturanbieter gerecht werden.

Conrad Albert, Vorstand Legal, Distribution & Regulatory Affairs der ProSiebenSat.1 Media AG, betonte, dass der Markt in der Lage sei, selbst Geschäftsmodelle zu entwickeln, hierbei sei die Vertikalintegration wichtig. Zum Thema Regulierung sagte er, die Unternehmen bräuchten so wenig Regulierung wie möglich und so viel wie nötig. Das Internet sei mittlerweile in einem Stadium, in dem man Regeln vorgeben müsste. Er betonte, dass aus der Inhalte- und Anbietersicht die Entwicklung von Geschäftsmodellen funktioniere, wenn es keine Diskriminierung gebe. Wichtig sei, die Informationszugangsmöglichkeit sicherzustellen.

Peter Weber, Justitiar des ZDF, sieht eine große Chance darin, mit den ZDF-Inhalten auf allen Plattformen vertreten zu sein. Das bedeute einen flexiblen Zugang für den Zuschauer, aber mache auch einen Kampf um Aufmerksamkeit notwendig. Weber plädierte für klare Spielregeln und die Regulierung des konvergenten Marktes. Hierzu gehören die Sicherstellung der Auffindbarkeit von Inhalten, das Urheberrecht oder Weitersendeformen, die technologieneutral abgedeckt sein müssten. Für das ZDF sei die Netzneutralität ein „absolut wichtiges Thema“ und die Vielfaltsicherung habe einen großen Stellenwert. Es werde Managed Services geben, so Weber, aber das offene Internet dürfe nicht für das Bewegtbild verschlossen werden. Er plädierte dafür, eine „pro-aktive Ordnung“ zu schaffen und nicht zu warten, bis Schäden eingetreten seien.