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20.05.2014

Mediengipfel: „Next Level Transformation“


Aus den vier Branchenperspektiven der Verlage, von Fernsehen und Hörfunk, der Kabelbranche sowie der Medienpolitik diskutierten die hochrangigen Teilnehmer des Mediengipfels des Medienforum NRW 2014 im Rahmen der gemeinsamen Eröffnung mit der ANGA COM die Konsequenzen der aktuellen Veränderungen in der Medienbranche. Im Mittelpunkt der Keynotes und eines Podiums unter dem Motto „Next Level Transformation“ standen die Marktchancen und -herausforderungen für die verschiedenen Akteure, die sich aus den Veränderungen in der Mediennutzung, dem Wettbewerb und den Anforderungen an die Regulierung ergeben.

WDR-Intendant Tom Buhrow eröffnete den Mediengpfel mit einer Keynote, in der er auch auf die finanzielle Situation des WDR nach der Einführung der Haushaltsabgabe einging. Das Klischee „Die sitzen in ihrer Burg und haben keine Geldsorgen“ sei nicht zutreffend. Dem Sender stünden „drastische Einschnitte" bevor. Allein in diesem Jahr würden 50 Stellen abgebaut und eine zweistellige Millionensumme eingespart. „Weniger Geld heißt, wir können dann auch weniger Projekte machen - in allen Bereichen", sagte Buhrow. Dennoch wolle der WDR auch in der neuen, digitalen Medienwelt Zeichen setzen. Die finanzielle Reserve des Intendanten sei in einen „Verjüngungstopf“ umgewandelt worden, aus dem innovative Ideen aus allen Bereichen des Senders gefördert werden sollen.

Im Miteinander mit Verlegern und Filmproduzenten rief der WDR-Intendant zur Zusammenarbeit auf: „Wir alle haben die Herausforderung, die nächste Generation für unsere Inhalte zu begeistern. Lassen Sie uns Gemeinsamkeiten ausloten“, sagte Buhrow.

Den Zeitungsverlegern machte er ein konkretes Angebot für deren Internetseiten. Der WDR wolle Dritten einen sogenannten Embedded Player für die direkte Wiedergabe von Video- und Audio-Livestreams anbieten. „Das ist erstmal für Events geplant. Online-Nachrichtenseiten können einen WDR-Livestream auf ihrer Plattform integrieren. Das ist ein erster Schritt für Verleger und Öffentlich-Rechtliche. Das wäre gut für den Standort NRW. Besser, als wenn wir uns weiterhin als Gegner, als Konkurrenten sehen", sagte Buhrow.

Thomas Lindner, Vorsitzender der FAZ-Geschäftsführung, schilderte in seiner Keynote die Herausforderungen, denen sich ein etabliertes Printmedium im digitalen Zeitalter stellen muss. „Wir müssen weg von den internen Silos, hin zu übergreifenden Allianzen und Kooperationen.“ Es gehe darum, neue Produkte für die Kernzielgruppe der FAZ zu entwickeln, ohne dabei die Qualität zu vernachlässigen. „Wir müssen aus unseren Inhalten mehr machen“, erklärte Lindner, „allerdings werden wir auch in Zukunft nicht jeden ‚Mist‘ verkaufen, der sich einer App darstellen lässt.“ Nachholbedarf sah er vor allem im technologischen Bereich. Dieser sei in dem Frankfurter Zeitungshaus „lange Zeit nicht allzu hoch geschätzt“ worden. „Wir haben viele tolle Ideen, aber nicht die richtige Technik“, sagte Lindner, „das gilt aber für viele Zeitungsverlage.“

Auf der anschließenden Podiumsdiskussion bestätigte Lindner Berichte, wonach die FAZ operativ rote Zahlen schreibe. „Als neue Geschäftsführung ist es natürlich unsere Aufgabe, diese Verluste abzustellen.“ In jedem Fall wolle man den Weg zurück in die Wirtschaftlichkeit eigenständig schaffen. „Wir wollen ein Wirtschaftsmedium sein, das sich aus sich selbst heraus finanziert“, erklärte Lindner unter anderem mit Blick auf die von der NRW-Landesregierung geplante Medienstiftung „Vielfalt und Partizipation“.

Deren Konzept hatte zuvor Dr. Marc Jan Eumann (SPD), Staatssekretär bei der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, auf dem Podium erläutert. „Wir wollen nicht in den Markt eingreifen“, betonte Eumann. Die Staatsferne der Medien müsse gewährleistet bleiben. Angesichts der erheblichen wirtschaftlichen Probleme vor allem im Bereich der Lokal- und Regionalzeitungen, wolle man aber die Möglichkeiten einer Unterstützung ausloten. „Wenn es den Medien schlecht geht, geht es auch der Demokratie schlecht“, gab der Staatssekretär zu bedenken.

Besser geht es indes einigen Marktteilnehmern im TV-Markt, wie unter anderem Susanne Aigner-Drews, Geschäftsführerin von Discovery Networks Deutschland, berichtete. An einem durchschnittlichen Wochentag erreiche man 70 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung mit klassischen, non-linearen Fernsehangeboten. „Das ist auch weiterhin unser Brot-und-Butter-Geschäft“, erklärter Aigner-Drews, deren Unternehmen unter anderem die Free-TV-Sender DMAX und TLC veranstaltet, „alles Andere ist der Honig, der darauf kommt.“ Hierzu zählt Aigner-Drews die Bereiche Video on Demand und Pay-TV.

Im letztgenannten Segment kann derzeit auch Sky, nach langer Anlaufphase, Erfolge vermelden. Laut Brian Sullivan, Vorstandsvorsitzender von Sky Deutschland, konnten zuletzt innerhalb von drei Jahren rund eine Million Haushalte neu für das Bezahlfernsehen gewonnen worden. „Das ist eine gute Entwicklung, aber wir sind immer noch sehr klein“, kommentierte er. Er sei froh, dass sein Unternehmen über geduldige Gesellschafter verfüge, die auch in schwächeren Phasen zu hohen Investitionen bereit gewesen seien. Grundsätzlich rief Sullivan die deutschen Unternehmen zu mehr Risikofreude auf. Dann sei auch in Deutschland das Entstehen von großen digitalen Playern in der Art von Google, Apple oder Facebook möglich.

Eine Ansicht, die Lutz Schüler, CEO von Unitymedia Kabel BW, bekräftigte. „Von den zehn wertvollsten Marken der Welt sind sechs digital, keine davon kommt aus Deutschland“, führte er aus. „Lassen Sie uns doch einfach mal etwas in Richtung eines deutschen Google machen.“ Beim zunehmenden Zusammenwachsen von Kabel- und Mobilfunkgeschäft müsse man vor allem die Interessen der Kunden im Blick haben, führte Schüler aus. „Alle glauben an eines: Inhalte und Kommunikation, egal ob zu Hause oder unterwegs, wachsen zusammen.“ Den Nutzern müsse der Zugriff entsprechend Plattform-übergreifend ermöglicht werden, der Kunde wolle nicht nach Technologien unterscheiden.“