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20.05.2014

Verlagsgipfel: Die digitale Inhalte- und Bewegtbildstrategie von Verlagen


Wie verändert sich der Journalismus im digitalen Zeitalter, welche Rolle spielt dabei das Bewegtbild und mit welcher Inhaltestrategie entwickeln die Verlage ihre digitalen Angebote weiter? Diese Fragen diskutierte auf dem Medienforum NRW 2014 ein Verlagsgipfel unter dem Titel „Video First? Die Bewegtbild- und Digitalstrategien der Verlage“. Die Veranstaltung, die von Christian Meier, Chefredakteur meedia.de, moderiert wurde, fand in Kooperation mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V. (BDZV) und dem Zeitungsverlegerverband Nordrhein-Westfalen e.V. (ZVNRW) statt.

In seiner Keynote präsentierte Oliver Stock, Chefredakteur Online und Mitglied der Chefredaktion des Handelsblatts, Thesen zur digitalen Medienentwicklung. Digitale Geräte seien Trägermedien, die von unterschiedlichen Altersgruppen und Nutzergruppen individuell genutzt würden. Die Herausforderung für Content-Produzenten sei es, alle Inhalte für alle Bedürfnisse und Nutzungsgewohnheiten zu liefern. Nur wer Inhalte in Software umwandeln könne, habe auch weiterhin ein Geschäftsmodell, so Stock. Dass bedeute, Unternehmen müssten sich völlig anders aufstellen, sonst würden sie vom Markt verschwinden. Am Beispiel des Handelsblattes machte er deutlich, wie eine Erweiterung des Geschäftsmodells aussehen könnte. Das Handelsblatt definiere sich als eine Gemeinschaft zur Verbreitung des wirtschaftlichen Sachverstands. Dazu gehören neben der gedruckten Zeitung auch das ePaper, Apps, der Verkauf von Einzelartikeln, Dossiers oder die Handelsblatt Global Edition, die im Herbst eingeführt wird. Oliver Stock kündigte zudem für Juli einen Handelsblatt Digitalpass an, mit dem sämtliche digitalen Angebote genutzt werden könnten.

Claus Strunz, Geschäftsführer TV- und Videoproduktion beim Axel Springer Verlag, erinnerte in seiner Keynote daran, dass Deutschlands Verlage sich mit dem Gratis-Journalismus im Netz nicht nur das Geschäftsmodell zerstört, sondern sich auch das Zukunftsgeschäft von neuen Konkurrenten wie Youtube haben wegnehmen lassen. Doch sei er überzeugt, dass auch im digitalen Zeitalter mit Journalismus in Form von Information und Unterhaltung Geld verdient werden könne. Der Axel Springer Verlag habe in TV und Video investiert, denn „Bildschirme sind für bewegte Bilder gemacht, nicht für Text und Fotos“, so Claus Strunz. Dazu passe der Kauf des Nachrichtensenders N24, der Bewegtbildkompetenz bringe. Strunz kündigte an, dass das Angebot „Welt N24“ in fünf Jahren journalistisch und ökonomisch profitabel sei. „Wir haben die Chance, jeden Menschen in Deutschland auf jedem Weg zu fesseln. Dann können wir ihn auch monetarisieren.“ Außerdem habe man die digitale Strategie weiterentwickelt. „Neben dem Kauf von bewährten digitalen Unternehmen etablieren wir eine Start-up-Kultur“, so Strunz. Dazu zählt auch der Internetsender Zuio.tv, wo sich Moderatorentalente ausprobieren dürfen. Er appellierte an die Verlage: „Traut den ganz Jungen etwas zu!“ Scheitern sei dabei Teil der Philosophie und des Erfolgskonzepts, so Strunz.

In der anschließenden Diskussion räumte Thomas Kemmerer, Chefredakteur, DuMont Net, ein, dass ihn ein Angebot wie Zuio.tv ebenfalls interessieren würde. Auch DuMont Net wolle mit Videos Geld verdienen, hier liege der TKP höher als bei anderen Angeboten. Fünf bis zehn Prozent der Nutzerzugriffe machten aktuell die Videoabrufe im digitalen Angebot des Verlages aus. Kemmerer hält allerdings die Zweitverwertung von Fernsehinhalten für den falschen Ansatz. Benötigt werde Content, der auch für Online gemacht sei.

Für Thomas Kloß, Geschäftsführer, Funke Digital und Chefredakteur online von Der Westen gehören Bewegtbildangebote zum Pflichtprogramm einer Online-Seite, denn die Nutzer wollten diese Inhalte sehen. Im Vordergrund stünden regionale Themen, jeder zweite Klick sei lokal. Kurze 30-sekündige Beiträge würden stärker nachgefragt als aufwändige Videoreportagen, auch wenn diese zur Marke gehörten, so Kloß.

Yacine Le Forrestier, Geschäftsführer des Sportnachrichtendienst SID, vertrat die Agenturseite in der Diskussionsrunde. Die Verlage wollten bei Bewegtbild vor allem Qualität, dazu gehört die Produktion in HD genauso wie die Einordnungen von Geschehnissen. 2010 hätte der SID begonnen, sich neu zu orientieren und Video-Content anzubieten. Das sei eine Erfolgsstory geworden. Der Umsatz habe sich mehr als verdreifacht. Mittlerweile werde niemand mehr eingestellt, der nicht crossmedial arbeiten könne. Da die Erstellung von Video-Content teuer sei, suche man sich bei kostenintensiven Veranstaltungen zudem Sponsoren.