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Köln
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21.05.2014

Entertainmentgipfel: „Game Changer Online-Entertainment?“


Bewegtbild-Inhalte sind längst nicht mehr auf das klassische Fernsehen beschränkt. Über Internet-Plattformen wie Youtube erreichen neue Stars wie das deutsche Comedy-Trio Y-Titty oder der schwedische Games-Experte PewDiePie mittlerweile ein Millionenpublikum.

Über diese wachsende Bedeutung des Video-Online-Entertainments diskutierten Marktteilnehmer auf dem zweiten Teil des Entertainmentgipfels des Medienforum NRW2014 unter dem Titel „Game Changer Online-Entertainment?“ Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der European Web Video Academy statt.

Jens-Uwe Bornemann, Vice President Digital Continental Europe bei Fremantle Media und Leiter der UFA Labs in Köln und Berlin, eröffnete die Verantaltung mit einer Präsentation der aktuellen Aktivitäten seines Unternehmens. Mit dem Multi-Channel Network Divimove als Partner wolle man in dem Projekt „Shootrs“ als Coach für Online-Video-Talente aktiv werden. „Damit gehen wir einen Schritt zurück“, räumte Bornemann ein. Zuvor hätte Fremantle bereits Kanäle mit eigenproduzierten Formaten auf Youtube angeboten, die aber nicht allzu erfolgreich gewesen seien. Mit rund einer Milliarde Nutzer im Monat sei Youtube die wichtigste Plattform im Bereich der Online-Videos. „Man erreicht dort eine beeindruckende Reichweite“, kommentierte Bornemann. „Derzeit beobachten wir dort auch eine zunehmende Professionalisierung der Inhalte.“

Dies bestätigte Dr. Dimitrios Argirakos, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer der European Web Video Academy, die unter anderem die Verleihung des Deutschen Webvideopreises in Düsseldorf veranstaltet. „Professionalisierung ist der Mega-Trend in der Branche“, sagte er bei der Podiumsdiskussion. Das neue Stipendien-Förderprogramm, das die European Web Video Academy jetzt in Kooperation mit der Film- und Medienstiftung NRW aufgelegt habe, sei ein wichtiger Schritt, um junge Online-Videomacher an der Schwelle zur Professionalisierung zu unterstützen.

Philip Laude, Mitglied der erfolgreichen Youtube-Comedians Y-Titty und Executive Creative Director beim Internet-Fernsehsender Mediakraft Networks, berichtete von den Anfangstagen des Comedy-Trios, das früh angestrebt habe, von seinen Videos auch leben zu können. Dabei müsse man allerdings eine Gratwanderung absolvieren. „Der Zuschauer will professionelle Bilder haben, wünscht sich aber auch, dass die Authentizität darüber nicht verloren geht.“ Dieser Betrachtungsweise schloss sich Argirakos an: „Wir stehen an einer Schwelle, an der sich entscheiden wird, wie viel von der originären Kreativität, die Youtube hervorgebracht hat, letztlich erhalten bleibt.“

Laude trat der Fehleinordnung entgegen, mit der Youtube immer noch unterschätzt und in erster Linie mit Inhalten wie Katzenvideos in Verbindung gebracht werde: „Wir haben uns dort im Lauf der Jahre eine sehr große Reichweite und Resonanz aufgebaut“, erläuterte er. Y-Titty erreicht mit seinem Hauptkanal auf Youtube fast drei Millionen Abonnenten.

Auch Benjamin Ruth, Gründer und Geschäftsführer von VICE Deutschland, nutzt für die journalistischen Online-Videos seines Unternehmens die von Google betriebene Plattform als Vertriebskanal. „Youtube ist die größte Video-getriebene Community weltweit.“ Die dort möglichen Reichweiten-Dimensionen könne man aus eigener Kraft gar nicht erreichen. Ruth betonte allerdings, dass der Bereich Online-Video keineswegs nur mit dem Genre Comedy gleichzusetzen sei. „Es gibt auch einen großen Bedarf an ernsthaften Inhalten, wie zum Beispiel Beiträgen zu politischen und wirtschaftlichen Themen“, berichtete er. „Entgegen dem Trend sind wir auch mit längeren, 15- bis 20-minütigen Videos erfolgreich.“

Laut Dr. Georg Ramme, Geschäftsführer der Endemol-Digitaltochter Beyond, ist das Segment der Online-Videos keineswegs nur ein Experimentierfeld ohne wirtschaftliche Bedeutung. „Wir haben zwar noch nicht die Budgets wie im klassischen TV zur Verfügung, aber wie verdienen trotzdem gutes Geld“, erklärte er. In inhaltlicher Hinsicht müsse sich dieser Markt aber noch ein Stück weiterentwickeln und vielfältiger werden. Dabei spiele der Distributionskanal zunächst keine Rolle. „Wir sollten in Marken und Properties denken, die auf verschiedenen Plattformen funktionieren müssen“, sagte Ramme.

Auch Benjamin Ruth sieht die zukünftige Entwicklung des Online-Video-Segments unabhängig von den genutzten Plattformen, sondern vorrangig von attraktiven und anspruchsvollen Inhalten getrieben: In allen Genres gehe es vor allem um die Qualität.