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21.05.2014

Entertainmentgipfel: „Beyond Global Brands. Was bleibt und was kommt im Entertainment?“


Show, Talk, Quiz, Casting, Reality, Comedy – viele der aktuellen und häufig weltweit aktiven Showformate haben ihre besten Jahre weit hinter sich. Ist das Ende von „Wetten Dass…?“ ein Wendepunkt im Umgang mit den großen Programmarken im Showbereich? Wo stehen die großen Programmmarken und woher können innovative Entertainmentkonzepte der nächsten Generation kommen? Diese und weitere Fragen aus dem Showbereich diskutierte auf dem Medienforum NRW 2014 ein Entertainmentgipfel unter dem Titel „Beyond Global Brands. Was bleibt, was geht und was kommt im Entertainment?“. Die Veranstaltung, die von Torsten Zarges, Chefreporter DWDL.de, moderiert wurde, fand in Kooperation mit der Allianz Deutscher Produzenten Film und Fernsehen und der Entertainment Master Class statt.

Ute Biernat, Geschäftsführerin UFA Show & Factual und Produzentin u.a. von „DSDS“, „Das Supertalent“ und zahlreichen weiteren Formaten, definierte zunächst den Begriff der „Global Entertainment Brands“ als Formatmarken, die in mindestens 20 Länder erfolgreich ausgerollt werden. Dazu würden beispielsweise Programmmarken wie „Idols“, „Got Talent“ oder „Wer wird Millionär?“ gehören.

Anschließend fasste Biernat die globale Formatentwicklung zusammen: Die Länder, aus denen die Global Entertainment Brands und neue Formate kommen, seien früher die USA und Großbritannien gewesen. Ihre Innovationskraft ließe aber nach. Stattdessen beschäftige man sich in Australien mit neuen fiktionalen und auch nichtfiktionalen Themen und in Skandinavien probiere man mit großem Selbstbewusstsein Dinge aus und trage sie in die Welt. Auch die Holländer seien in diesem Bereich weit vorn, auch jenseits von John de Mol. „Wir könnten das auch, uns fehlt nur leider die Geschichte dazu, weshalb ich einfach nicht ausreichend Entwickler finde“, beschrieb sie die Lage in Deutschland.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung begrüßte sie nachdrücklich Entwicklungsgelder wie die Pilotförderung in NRW. Denn viele, gerade kleinere und junge Produzenten, könnten die zum Teil sechsstelligen Summen nicht aufbringen, die für die Produktion von Piloten oder Moodtapes erforderlich sind. Es brauche ein System, das junge Firmen mit ihren Ideen an den Markt führt. Dazu schlug sie vor: „Ich träume von einem Sendeplatz, bei dem der Sender sagt: ‚Wir wissen auch nicht was kommt, aber schwarz bleibt er nicht, wir lassen einfach mal machen.‘“

Eun-Kyong Park, als Geschäftsführerin Sixx TV die Senderchefin, so Moderator Torsten Zarges, die die Verknüpfung von Online und TV am besten verstanden habe, sucht derzeit nach einem Showformat: „frauenaffines Event, über sechs Wochen auszustrahlen.“ Für Park macht die Segmentierung, für die ihr Sender auch steht, durchaus Sinn. Auch in der Formatentwicklung sollte neben dem Storytelling und einem starken Charakter, der für das Programm steht, die Zielgruppe im Mittelpunkt stehen. Bei Sixx beispielsweise seien dies moderne Frauen von 14 bis 39, die alles könnten, nur nicht die Zeit dafür hätten.

Jörg Grabosch, Geschäftsführender Gesellschafter von Brainpool, und Produzent u.a. von Programmmarken wie „Schlag der Raab“, „TV Total“ oder „Stromberg“, produziert ohne Blick auf den Weltmarkt. „Wir treten mit deutschen Künstlern und deutschen Konzepten für den deutschen Markt an, internationale Erfolge nehmen wir gerne mit, ist aber nicht Ziel der Formatentwicklung. Nicht einmal 10 % unserer Formate haben sich ins Ausland verkauft.“

Weltweit bestehe ein „große Hunger“ nach dem neuen Formaten, auch weil die Formate von FremantleMedia seit über 10 Jahre die Samstagabende belegten. Ob „Rising Star“, das in den vergangenen zwei Jahren weltweit in zahlreiche Märkte verkauft wurde und im Herbst bei RTL startet, ein Global Brand mit ähnlicher Strahlkraft wie „Idols „ oder „Got Talent“ werden kann, bezweifelte er dagegen: „Schauen wir mal, ob es so revolutionär einschlägt, wie es verkauft worden ist. Der Auftritt mit Verve bei der Fernsehmesse in Cannes war beeindruckend, auch wenn es wohl noch erhebliche technische Probleme mit dem Programm gibt.“

Im deutschen Markt für Entertainment Programme beobachtet Grabosch ein Nachlassen der Innovationskraft der privaten Sender, während die Spartenkanäle der Öffentlich-Rechtlichen weiter seien. „Aber da gibt’s die leidige Rechtedebatte. Die Diskussion löst sich nicht.“

Georg Hirschberg, Geschäftsführer Prime Productions und Produzent von Formaten wie „heute show“ oder „Knallerfrauen“ und Vorsitzender des Sektionsvorstands Entertainment der Produzentenallianz teilte die Einschätzung von Grabosch zur Rechtedebatte: „Vertragsrechtlich ist das ZDF auf dem Stand von 1962“. Zwar gebe es in den Nischenprogrammen wie ZDF Neo durchaus Innovation, aber „erreicht durch die Ausbeutung von Kunststudenten“. Sobald diese Formate größer würden und die Produktionskosten vorfinanziert werden müssten, würde es auch für die jungen Kreativen schwierig. Hirschberg sieht bei den Sendern Verkrustungen, die Innovationen und Erfolge nicht fördern. Er brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass es der Produzentenschafft gemeinsam mit der Politik gelingen könnte, gegen diese Entwicklung Impulse zu setzen.

Die Einordnung der grundsätzlich schwierigen Lage im Formatbereich teilte er mit seinen Kollegen: „Wir haben bei der ‚Heute Show‘ mehr über 80 jährige als unter 30 jährige Zuschauer. Es gibt kaum noch Formate, die die Zuschauer in der Breite ansprechen. Man muss sich also für ganz bestimmte Zielgruppen entscheiden.“ Das werde schwierig für die großen Sender, denn die Zuschauer verteilten sich zunehmend auf die Vielzahl von Angeboten, was es nicht leichter mache, Masse zu generieren.

Philipp Käßbohrer, Geschäftsführer der vor zwei Jahren gestarteten Bild und Tonfabrik, die mit der vielbeachteten Talkshow „Roche & Böhmermann“ begannen und mit dem „ Neo Magazin“ jüngst den Grimme-Preis gewannen, versucht aktuell mit seinem jungen Unternehmen den Schritt heraus aus der Nische und produziert für den WDR „Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von…“. Mit einem jungen Ensemble aus Schauspielern mit „Funny Bones“ und Charakter entsteht ein Sketchcomedyshow, „ein bisschen nach den Prinzipien von „Saturday Night Live“, so der Jungproduzent. Er mag das Nischenprogramm: „In der Sparte können wir innovativ sein und experimentieren. Quote ist am Rande des Fernsehens nicht so wichtig“. Er habe Fernsehen machen können, das er selbst gerne schaue, trotz des Briefings von ZDF Neo, Programm für „familienorientierte und zielstrebige mitdreißigjährige Trendsetter“ zu entwickeln. Käßbohrer betonte, dass er kein Interesse habe, immer nur in diesem Spartensegment zu arbeiten und er hoffe, dass seinem Unternehmen die Entwicklung darüber hinaus gelingen könne.